Marytara  32014

Ich bin Akademikerin und genieße täglich den Frühling an einsamen Stegen am See

Als ich am heutigen Morgen meine Kinder in den Waldkindergarten brachte, da war ich schon in Joggingkluft, denn ich plante es dem aufkommenden Frühling ins Gesicht zu lachen und tiefer in Wald in Richtung See zu fahren. Tja dafür habe ich Zeit, eigentlich täglich. Wie kann denn das sein? Nun der Grund ist, dass ich bisher nach meinem Studium noch keinen Job gefunden habe. Es gab schon eine Vielzahl an Bewerbungen, doch niemand hatte Interesse an meinen Kompetenzen. Eigentlich ist diese Aussage falsch, denn beinah niemand wollte mich überhaupt persönlich kennenlernen. Ich bin überzeugt ich könnte im persönlichen Gespräch überzeugen. Nun aber dank dieser Ablehnung bin ich vermutlich freier als viele andere Menschen. Ich kann natürlich nur in geringem Maße konsumieren, teilweise in sehr geringem Maße . Es ist nicht so, dass ich sinnsuchend bin, denn ich habe zwei Kinder, arbeite intensiv in Ehrenämtern und bin kommunalpolitisch aktiv. Es ist eben nur das liebe Geld, das bei Zeiten viel zu knapp ist. Ich bin gerne Mama und möchte meinen Kindern viel Liebe, die ich sich in Zeit nehmen offenbart, mit auf den Weg geben. Das ist selten heutzutage – vor allem als Akademikerin. Alle möchten Karriere machen. Ja ich hätte auch gar nichts dagegen, dann könnte ich meine Wunschreisen um die Welt finanzieren. Doch nun bleibe ich eben hier in Brandenburg und kann sagen, dass es ein göttlicher Segen ist einfach nur Zeit zu haben. Ich fahre also nach dem Kindergarten in den Wald hinein, die Frühlingssonne durchflutet die Kiefernwälder meiner Wahlheimat . Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs, noch viel zu schnell rauschen die Bäume an mit vorbei. Es zirpt von überall, die Vögel singen wieder und lassen klingen ihre Lieder. Die Welt scheint einfach gut zu sein. Leichte Brisen rauschen durch den Wald, ich atme tief und ein. Eine Abzweigung – jedesmal muss ich hier überlegen – rechts oder links? Da geht es lang, ich sehe ihn bereits, diesen einsam großen See umrundet mit kleinen Stegen, die ebenso einsam am Ufer auf Besucher warten. Besucher heißen Stockente und Blesshuhn. Ich parke mein Fahrrad und laufe los. Einmal um den See herum. Schon nach wenigen Meter laufe ich über die kleine Holzbrücke, das Wasser plätschert glitzern über einen Steinwall unter mir hindurch. Ich bin im Paradies.

Bachlauf 2015 Ich laufe. Ich laufe 30 Minuten, dann kann ich mich nicht mehr halten und muss mich setzen auf einen dieser einsamen Stege. Ich ziehe mich aus und steige nackt in das noch sehr kühle Wasser. Zweimal tauche ich unter bevor ich mich nun in die Sonne und den noch kühlen Wind stelle um zu trocknen. Mein erstes Bad in diesem Jahr. Links und rechts singen die Vögel im Walde, umgestürzte Bäume ragen weit ins Wasser hinein. Beim nächsten Mal werde ich mich auf einen dieser Bäume legen und das Leben und Dasein genießen. Eins werden mit mir und der Natur. Ich ziehe mich wieder an. Ich setze mich auf den Steg. Ich schaue Richtung Sonne. Ich schließe die Augen. Ich meditiere. 20 Minuten , vielleicht mehr. Ich sage Danke. Danke. Danke. Denn es ist wertvoll, dass ich dies erleben darf. Ich erlebte viele solcher Tage in den letzten Jahren, in denen ich meine Kinder neben meinem Studium noch zu Hause betreute. Ich schenkte ihnen das Erlebnis Natur – täglich – ganz gleich welches Wetter. Natürlich ist der Frühling eine ganz besondere Jahreszeit, die nach dem kalten Winter in höchstem Maße genossen wird.

Sollte sich auch in nächster Zeit kein Job einstellen, so darf ich mein SEIN im wilden einsamen Land Brandenburg weiter genießen und vielleicht ein wenig mehr über den Alltag ein glücklich zufriedenen Akademikermama ohne Einkommen berichten.

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