Soziale „Rohvolution“?

An diesem Wochenende war es mal wieder soweit in Berlin – die Messe „Rohvolution“ öffnete ihre Pforten für alle Rohkostbegeisterten Menschen und vielleicht auch solchen, die es werden wollen. An dieser Stelle steigen wir direkt ein in das Problem. Da ich die Auffasung vertrete, dass es keine Probleme gibt, sondern nur Herausforderungen, muss ich direkt umformulieren. Die Rohvolution birgt eine ganz wichtige Herausforderung und Fragestellung: Wie sozial ist Rohkost – modern auch gerne RAW FOOD oder ganz neu: Paleofood . Ja, es stimmt, Paleoliebhaber, die verzichten nicht unbedingt auf Fleisch, denn Fleisch gab es in der Steinzeit in Massen zu Fressen , ähm zu Essen wollte ich schreiben. Nun aber zum Thema der Sozialität von Rohkost. Ich beschließe also zur Messe zugehen, mit meinen beiden Kindern und ihrem Vater, meinem Ehemann. Wir zahlen 9 Euro Eintritt für Erwachsene, alle Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Wir gehen zur Garderobe: Pro Garderobenteil für Erwachsene zahlen wir ein Euro, für Kinder 50 Cent. Wir entscheiden uns dafür, die Jacke von Joruka abzugeben, die ist groß genug, das wir auch meine noch in den Ärmel stopfen können und schließlich nur für ein Garderobenteil zahlen müssen. Die Jacken der Kinder finden gerade so Platz in meinem Rucksack. Es ist 13 Uhr als wir ankommen, es ist Mittagszeit. Wir haben spät und ausgiebig gefrühstückt an diesem Sonntagmorgen, so dass der Hunger uns noch nicht überkommt.Bei all dem rohen Nahrungsangebot hier, läuft auch seltsamerweise kein Wasser im Mund zusammen – trotz dessen sieht alles verlockend aus und der ersten Sache der ich begegne ist ein Mohnkuchen und ein belegtes Brot. Die Brotscheibe scheint maximal 2 Milimeter dick zu sein, die Möhrenscheiben darauf ebenso dick – oder besser ebenso dünn. Der Preis wiederrum ist dick – 3,50 Euro möchte man für dieses zarte Scheibchen Brot bezahlen und ganze 5 Euro für ein sehr schmal geratenes Stück Mohnkuchen. Wir sind 4 Personen und einzig und allein unsere Geldbörsen wären mehr als gesättigt würden wir jedem Familienmitglied ein Scheibchen gönnen. Wir laufen weiter und entdecken den „Grünen Imbiss“ – dieser ist eine fest installierte Einheit hier im FEZ in der Wuhlheide. Bei einer Messe wie der Rohvolution darf ich erwarten, dass ein Imbiss mit einem solchen Namen wenigstens ein halbwegs nahrhaftes und gesundes Produkt verkauft . Ich wäre wahrlich nicht sehr anspruchsvoll gewesen, doch ich bin Vegetarierin und bei Wiener Würstchen, Kartoffelsalat  und Kuchen im Angebot weigere ich mich dieses im Rahmen einer Rohkostmesse zu konsumieren. Wir entscheiden uns also trotz langsam ungnädig werdender Kinder uns wieder ins Messegetümmel zu stürzen und unsere kleine Familie irgendwie ein bisschen roh anzufüttern. Als erstes nehmen wir ein großes Milchshakeartiges Getränk mit dem sogenannten Superfood namens Chia. Die Chiasamen in der Kokosmilch werden mit einer Art Himbeergrütze verfeinert – ich erinnere mich an Bubble Tea, einGetränk, dass einen Sommer lang Hochkonjunktur in deutschen Landen hatte. Ebenso schnell wie es kam, ging es dann auch wieder. Ja die Chiasamen machen eine Art RawÖkoBubbleShake aus diesem Getränk. Es schmeckt allen ziemlich gut. Dazu gibt es Eiscreme von Booja Booja: Sorten wie Ingwer und Ahorn-Pecanuss kitzeln und verwöhnen den Gaumen auf vegane Art und Weise. Auch hier gebe ich gerne die Note 1. Wir finden ein paar Stände später schließlich noch ein Indisches Kichererbsencurry mit Falafeln und die Zucchinispaghetti. Es dauert nicht lange und wir sind insgesamt 68 Euro los. Satt sind wir nicht. Nein. Aber inspiriert. Spätestens als ich den Orgonizer aus Südafrika entdecke, da weiß ich wieder, dass ich auch diese Art und Weise zu leben nicht als das Maß der Dinge preisen darf. Jede Zeit hat ihre Wahrheit und ihre Berechtigung zum Sein. Doch ich muss noch zurückkommen auf die soziale Komponente dieser Messe . Vieles, dass hier angeboten wird, wird für einen großen Teil der Menschen auf dieser Erde niemals zugänglich sein. Wie geht diese Szene damit um? Wie ökologisch ist dieser Trend, der oft auf den Speiseplan von Übersee zurückgreift und die Regionalität vergisst? Wie urteilt er über das Angebot von Bahnhofmissionen? Was denkt über das Containern? Ist er sich der Armut der Menschen bewusst , die sein Produkt als erstes mit der Hand berührten? Warum glaubt er die Papaya hält ihn länger am Leben als unser heimischer Apfel? Wünscht er sich, dass alle Menschen den Zugang zu solch wertvollen Speisen hätten? Was tut er dafür, dass sie es haben? SOZIALE ROHVOLUTION?

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